Eine kleine Historie 

   

Als sich Ende ´93 der Burschenverein Neufinsing die Frage stellte, wie denn der Beitrag zum Gemeinschaftsunternehmen „Maibaum nach Nordenham“ aussehen sollte, wurde neben der, den Maibaum selbst betreffenden Aufgaben, die schon etwas ältere Überlegung des Böllerschießens wiederentdeckt.

Alleine schon der Grundsatz unseres Burschenvereins, die Fortführung traditionsreichen Tuns und die hier entstehende Möglichkeit, das in den Ortsteilen Finsings mehr oder minder bekannte Böllerschießen mit in die Aktivitäten aufzunehmen, waren die Grundlagen zu der nun entstehenden Runde.

Für diese Idee konnten sich trotz der relativ hohen persönlichen Kosten viele Neufinsinger begeistern, so dass in kurzer Zeit eine Böllergruppe gegründet werden konnte. Die Gründungsmitglieder sind: Franz Ertl, Peter Hagn, Helmut Hanrieder, Frank Höller, Hubert Koppe, Lorenz Kuhn, Herbert und Jürgen Lachmann, Jürgen Maier, Markus Mayer, Manfred Pregler, Roland Schröder, Thomas Seibold, Kurt Stangl und Johann Teicht.

 

Bei den Lehrgängen und Prüfungen zum Sprengstoffrecht machten wir die Bekanntschaft von Hermann Schillinger aus Vachendorf am Chiemsee, der dann auch für die meisten Mitglieder nach deren Vorstellungen die Böller anfertigte. Hierdurch wurden die Handböller zu Unikaten, die bei deren Auslieferung in Neufinsing, im Übungsschießen zu ihrem ersten Einsatz kamen. Einige Böllerschützen hatten hier die Möglichkeit auf die Böller der Väter zurückgreifen zu können, die bereits im Neufinsinger Schützenverein „Grüne Eiche“ dieser Tätigkeit nachgingen.

Nach unserem zweiten Übungsschießen konnten wir neben einigem Zubehör und Böllerpulver aus Vachendorf so manche Tips und Anregungen mit nach Hause nehmen.

 

Im April ´94 suchten wir uns passende Jacken und Hüte zu unseren Lederhosen aus, die wir dann aus Anzing und Markt Schwaben bezogen.

Der erste offizielle Auftritt war anlässlich der Hochzeit von Melanie und Manfred Krautmann vor der Pfarrkirche Finsing. Manfred Krautmann verabschiedete sich somit aus dem Verein.

Am 6.5.94 überraschten wir die Geburtstagskinder Markus Mayer und Kuhn Lorenz, beide Gründungsmitglieder der Böllergruppe, vor unserem Maibaum-Festzelt mit dem 3. Übungsschießen.

Der nun erste große Auftritt war der Maibaumexport nach Nordenham bei Bremerhafen, der zusammen mit den Böllerschützen „Fuschbachtaler“ um Hermann Schillinger dem Fest einen gelungenen Rahmen gab. 22 Böllerschützen nahmen hier Aufstellung auf dem Flachdach des Gasthofes „Budjadinger Tor“. Dieses Maibaumaufstellen wurde hier bereits zum dritten Mal durchgeführt und jedes Mal von anderen bayerischen Vereinen gestaltet. Diesmal waren Vereine aus Poing (Trachtenverein, Tanz), Dornach (Goaßlschnalzer), Oberneuching (Burschenverein), Jetzendorf (Musik), Neufinsing (Burschenverein, Böller) und weitere Vereine beteiligt.

Im Sommer wurden bei einer der Übungen von der gesamten Böllergruppe Fotos geschossen, um diese auch im Bild als die 15 Gründungsmitglieder festzuhalten.

Am 3.9. kam zur Hochzeit Ertl Franz der erste Schaftböller zum Einsatz.

Am 4. Sept. nahm zum ersten Mal eine Abordnung am 8. Bayer. Böllerschützentreffen in Gaimersheim teil. Hier wurde unter anderem in über drei Minuten Reihenfeuer aus mehreren hundert Böllern und Kanonen je ein Schuss abgegeben.

 Inzwischen hatten die „Böllerer“ an Ihrem neuen Hobby soviel Freude entwickelt, dass 1994 zu 7 Hochzeiten in Finsing, Eichenried und Moosinning sowie bei insgesamt 5 Übungen und 3 Auftritten geschossen wurde.

Ein kleiner Höhepunkt war, als wir in Samweber´s Freizeittreff in Neufinsing das Endspiel der Tenniseuropameisterschaft der Jungsenioren anschießen durften und so Europas Tenniselite „über 30“ begrüßen durften. Dies wurde am Montag darauf recht eindrucksvoll im Bayer. Fernsehen gezeigt.

 

Das Böller-Jahr 1995 wurde mit zwei Jubiläen eröffnet. Am 8. Mai feierte Josef Mayer im Sportheim seinen 60. Geburtstag, wo gemeinsam mit den Böllerschützen des Schützenvereins Grüne Eiche dem Jubilar lautstark gratuliert wurde. Nur wenige Tage später, am 17. Mai, versammelten wir uns vor dem Haus von Adolf Koppe um auch hier zu seinem Jubiläum 60 Böllerschüsse abzugeben. Beide sind Väter von aktiven Böllerschützen, Josef Mayer Vorstand des Schützenverein Grüne Eiche.

 

Zwei „Böllerer“ wurden bei einem Übungsschießen im Sommer ´94 mit den „Fuschbachtalern“ vom Kanonenvirus infiziert. Lorenz Kuhn und Markus Mayer waren im Kaliberfieber und bauten mit tatkräftiger Unterstützung von Wolfgang Rüdiger und Helmut Hanrieder eine neue Kanone nach historischem Vorbild auf.

Im darauffolgenden Jahr zu der 1200 Jahr-Feier in Finsing konnte die kurz zuvor fertiggestellte Kanone zum ersten mal beim historischen Umzug optisch und anschließend vor dem Festzelt auch akustisch der Festgemeinde vorgestellt werden.

 


 

Der ´95er Terminplan weist 7 Hochzeiten in Finsing, Tading, Schwindkirchen, Anzing und Oberneuching auf, wobei am 16. Sept. zwei Hochzeiten gleichzeitig stattfanden. So kam es zustande, dass wir in Oberneuching den Ehrensalut nicht wie üblich vor der Kirche, sondern erst beim Eintreffen des Hochzeitzuges vor dem eigens aufgestellten Festzelt abgegeben haben.

In diesem Jahr konnten wir drei neue Mitglieder in der Böllergruppe begrüßen: Tobias Ertl, Emmeran Mühlberger und Siegfried Sterr, die sich in ihrem Bekanntenkreis gleich als „Aufwecker“ zu einer Hochzeit in Eichenried recht beliebt machten.

 


1996 hatte vier herausragende Ereignisse zu verbuchen: Der 70. Geburtstag von Hans Janz, unserem langjährigem Schulrektor, wo zur Geburtstagsfeier im Bürgerhaus Eicherloh 70 Schuss abgegeben wurden; Das 75. Gründungsfest des Burschenvereins Forstinning, und das 10-jährige Gründungsfest des BV Oberneuching, wo wir jeweils mit Weckruf, Salut zur Wandlung beim Feldgottesdienst und zum Beginn des Festumzuges beteiligt waren. Den Patenverein BV Ismaning habe wir beim Maibaumaufstellen am 1. Mai akustisch unterstützt. Das eigene 10-Jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe war dann der Höhepunkt. Diese neue Fahne trägt u.a. als Symbole zwei Masken (Theatergruppe) und zwei Handböller (Böllergruppe).

 


1997 wurde es dann etwas ruhiger: Drei Hochzeiten, das verregnete bayer. Böllertreffen in Jetzendorf, einige kirchliche Feste- dabei 3 Hochzeiten, eine davon in Ismaning und zum ersten Mal ein Grillabend der Böllerschützen mit derem Anhang nach dem Übungsschießen.

 


Im darauffolgenden Jahr wurde in Neufinsing wieder ein Maibaum aufgestellt. Trotz der vielen Arbeiten die hier verrichtet werden mussten und daher erfahrungsgemäß viele Mitglieder des Vereins voll und ganz in Anspruch nehmen, konnte mit Handböllern, Schaftböller und Kanone, nach dem der „Baum“ stand, Salut geschossen werden.

Dieses Jahr wurde bei Gottesdiensten zum Seefest der Wasserwacht, zur 125-Jahr-Feier der FFW Finsing und zur Maifeier bei der Wandlung geschossen.

Wie kann es anders sein, auch bei zwei Hochzeiten waren die Böllerschützen aktiv.

Nun auch schon fast obligatorisch, die Teilnahmen am bayer. Böllerschützentreffen, diesmal in Hofgiebing.

 


1999 haben wir die Schießerlaubnis für Oberbayern bei der Regierung von Oberbayern beantragt da die bisherigen Genehmigungen der Landkreise Ebersberg und Erding dieses Jahr abgelaufen sind. Mit der neuen Schießerlaubnis haben wir unseren Wirkungskreis erheblich erweitern können, um so nicht zuletzt auch für´s Böllern beim Patenverein in Ismaning das lange Genehmigungsverfahren für die Einzelschießerlaubnis in anderen Landkreisen zu den Akten legen zu können. Viele der Handböller wurden neu beschossen, da ein Böller alle 5 Jahre vom Beschussamt überprüft werden muss. Ein neues Mitglied, Michael Suhre, hat sich nach erfolgreicher Abschlussprüfung hinzugesellt. Dieses Jahr ist in Finsing ein neuer Maibaum aufgestellt worden – auch hierzu waren unsere Böller wieder mit dabei.

Wir besuchten auch dieses Jahr das Bayer. Böllerschützentreffen, diesmal in Lohkirchen. Eine sehr gelungene Veranstaltung, die wegen der recht hügeligen Landschaft in der Aufstellung der Böllerschützen schon recht anspruchvoll, aber dann beim Schiessen um so interessanter war. Im Juli haben wir uns mit Kind und Kegel zum abendlichen Grillfest getroffen. Zwei Hochzeiten standen auf der Terminliste: Manuela und Hubert Koppe, Melanie und Werner Fink. Hubert bleibt aber als aktiver Böllschütze im Verein.

 


 

2000 war ein relativ ruhiges Jahr: 3 Hochzeiten von Mitgliedern, Emmeran Mühlberger, Markus Mayer und Jürgen Lachmann verabschiedeten sich vom Junggesellendasein. Markus gab somit auch seine Vorstandschaft des Burschenvereins ab. Neuer Vorstand wurde Michael Suhre, unser jüngstes Böllermitglied. Zum ersten Mal besuchten wir „als kleinen Jahresausflug getarnt“ das Erdinger Herbstfest. Selbstverständlich waren wir auch diesmal, beim nun 14. Bayerischen Böllerschützentreffen, in Ruhpolding, dabei. Ein Desaster! Die Organisation, wenn man davon überhaupt sprechen kann, war absolut überfordert und auch total misslungen, aber nach anfänglichem Missmut kamen wir doch noch zum Schiessen, leider blieb unsere Kanone, diesmal zum ersten Mal dabei, stumm!

Das Weihnachtsschiessen, ursprünglich für den 4. Advent geplant, fand nun am 23.12. statt. Der 4. Advent und der Heilige Abend sind heuer mal wieder zusammengefallen, daher haben wir entschieden, einen Tag vorher das „Christkindlböllern“ nun zum erstenmal abzuhalten. Erlaubt hat´s uns auf Nachfrage hin unser Pfarrer Norbert Joschko und der Bürgermeister Heinrich Krzizock. Durch das Amtsblatt bekanntgegeben, hatten wir hier doch schon bis zu 100 Besucher!, und Hans Juretzka schenkte bis zur Neige Glühwein aus. Eine recht gelungene Vorstellung, die mit besserer Vorbereitung sicher noch schöner gestaltet werden kann. Eine gute Vorgabe für das nächste Jahr.

 


2001 begann erstmals mit dem Neujahrschiessen ab 14 Uhr in den drei Ortsteilen Finsing, Neufinsing und Eicherloh jeweils am Maibaum. In Finsing gab es dann zum Aufwärmen von der Nachbarin ein Schnapserl für jeden Böllerschützen. Am ersten Samstag nach Heilig drei König fand zum ersten mal ein Arbeitstreffen der Böllerschützen im Landkreis Erding in Steinkirchen bei den Holzlandböllerschützen statt. Von hier kam auch die Anregung hierzu sich doch einmal im Jahr zum Erfahrungs- und Neuigkeitenaustausch zu treffen. Eine konstruktive und recht interessante Angelegenheit. Höhepunkt in der Gemeinde war die Weihe der neuen Orgel in der Finsinger Kirche am 6. Mai zu der auch unsere Böller sich hören ließen. Wir besuchten am 17. Juni das 15. bayer. Böllerschützentreffen in Haunstetten Kreis Dachau, Christoph Hansjakob wurde zu seiner Hochzeit von uns aufgeweckt, beim Gottesdienst zum Bürgerfest böllerten wir zur Wandlung, unserem Bürgermeister Heinrich Krizizock und Frau Sterr gratulierten wir lautstark zum 60. Geburtstag, Herrn Karl Draxlbauer zum 80. Geburtstag und der Schussmeister Thomas Seibold wurde 40. Das Weihnachtsschiessen am 4. Advent fand bei klirrender Kälte statt, war aber trotzdem eine herrliche Veranstaltung mit vielen Besuchern und entsprechend Glühwein am Lagerfeuer. In diesem Jahr gesellte sich ein weiteres Mitglied zu uns: Stephan Hansjakob besuchte erfolgreich den Böllerlehrgang und darf ab sofort mit mitböllern. Unsere „jungen“ Mitglieder haben noch keine eigenen Böller, bekommen diese aber zum Schießen von den Kameraden geliehen.

 


 

  Auch 2002 begann das Jahr mit dem inzwischen obligatorischen Neujahrschiessen. Von der Presse wurde hierzu ein recht fragwürdig retuschiertes Foto veröffentlich.  Das Arbeitstreffen der Böllerschützen im Landkreis fand diesmal bei uns in Neufinsing statt. Böllerschiessen war dieses Jahr zum 60. von Hans Juretzka dem 75. von Valentin Huber, Maibaumaufstellen an der Finsinger Alm, zum Festgottesdienst im Rahmen des Bürgerfestes und dem Jubiläumsfestes des kath. Kindergartens St. Georg. Im Juni waren wir im Brixental in Tirol, besichten dort die Gerberei Niederkofler in Westendorf und die Brennerei Erber in Brixen i. T. Mittagessen war im Aunerhof/Westendorf und das Abendessen beim Peter in der Kaminstube in Bayerischzell. Für diesen Tagesausflug charterten wir einen Bus bei Kammhuber in Ismaning. Das Weihnachtsschiessen fiel diesmal fast ins Wasser: es regnete seit Tagen, das Gelände am Krebsenberg war so durchweicht dass hier an eine Veranstaltung nicht zu denken war. Das ganze um einige hundert Meter an den Herdweg auf eine geteerte Fläche zu verlegen schlug wegen des Windes auch fehl. Die kurzfristige Entscheidung am Sport- und Jugendheim mit dem offenen Feuer und dem Glühwein unter die Pergola zu gehen rettete das Christkindlböllern. Wege der miserablen Witterung waren allerdings leider nur wenige Besucher gekommen, trotz, oder vielleicht gerade wegen der widrigen Umstände wurde es aber auch heuer recht gemütlich. Drei neue Mitglieder wurden nach dem Böllerlehrgang im November in Neufinsing in der Böllergruppe begrüßt: Robert Schönhofen, Andreas Seemüller und Andreas Stadlberger wurden zum Weihnachtsschiessen in der Böllergruppe aufgenommen

 


 .

 Zu folgenden Anlässen wird Salut geschossen:

 

1. Hochzeiten:  Vereinsmitglieder, deren Familie und Mitglieder befreundeter Vereine.

2. Jubiläen:    Zu Jubiläumsfeiern von
   a.) Bürgern die sich um die Ortschaft oder den Verein verdient gemacht haben und „runder“ Geburtstag ab 60
   b.) Vereinen oder Institutionen (z.B. Trachtenverein, Schützenverein, Freiwillige Feuerwehr u.ä.)


3. Kirchliche Feste:  Grundsätzlich kirchliche Feste die vom Verein ausgehen und dessen
   Anlass ein Böllern zur Wandlung erlauben, also keine Gedenkgottesdienste o.ä.,
    oder je nach Aufforderung durch unseren Pfarrer.

Seit Weihnachten 2000 führen wir am 4. Adventsonntag ein Weihnachtsschiessen durch.

4. Feste des Vereins:   Grundsätzlich werden Feste des Vereins von Böllern eröffnet, ist dies aus den eigenen Reihen heraus nicht möglich, wie zu unserem 10-jährigen Gründungsfest, hilft hier ein befreundeter Böllerverein aus.
Unter diese Rubrik fallen auch Böllerschießen zu Veranstaltungen die in den Bereich des Burschenverein fallen. Hier muss das Maibaumaufstellen erwähnt sein. So ist auch der Festsonntag bei Jubiläumsfeiern von Vereinen unserer Gegend durch unsere Böller und die jeweilige Festkapelle eröffnet worden. Seit 2000 sind wir am Neujahrstag-Nachmittag in allen 3 Finsinger Ortsteilen mit dem Neujahrschiessen unterwegs.

Burschenvereine aus der Umgebung fordern uns an. Da aber leider einige Vereinsvorstände Vorstellungen an den Tag legen, die sich absolut nicht mit Brauchtum verbinden lassen, haben wir hier auch schon Absagen erteilen müssen.

Wir haben die Schießerlaubnis der Regierung von Oberbayern und können, mit entsprechender Erlaubnis der zuständigen Gemeindeverwaltung, im gesamten Land schießen. Außerhalb, z.B. in Niederbayern, ist dies nur mit einer entsprechenden Einzelschießerlaubnis der jeweiligen Regierung oder dem Landratsamt und der Gemeindebehörde möglich.

Die Böllergruppe ist mit einer Kanone, 3 Standböllern, zwei Schaftböllern und 19 Handböllern, bei 23 Mitgliedern, recht ansehnlich ausgerüstet. Alle Böller sind sog. Vorderlader, sind amtlich beschossen und Unikate.


Thomas Seibold im Januar 2003



zurück